Artikel teilen! American Psycho - Film vs Buch: Ich komme soeben vom Sofa, wo ich mir American Psycho auf DVD angeguckt habe und mir ist grade nach einer kleinen ...
| June 2012 | ||||||||||
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Ich komme soeben vom Sofa, wo ich mir American Psycho auf DVD angeguckt habe und mir ist grade nach einer kleinen Gegenüberstellungsrezension, auch auf die Gefahr hin, dass ich damit jetzt evtl wieder Leute neugierig mache, obwohl ich gar nicht will dass irgendwer das Buch liest. :P Auch egal, ihr seid alt genug und es ist jetzt sicherlich auch nicht von Luzifer persönlich geschrieben, es ist nur... keine leichte Kost.
*Finger anhauch*
So.
Der Fairness halber muss ich kurz vorab dazu sagen, dass ich den Film in seiner... Gesamtwirkung evtl gar nicht richtig beurteilen kann, weil ich nicht in der Lage war, ihn zuende zu gucken, sondern die schätzungsweise letzten 15 Minuten nicht mehr ausgehalten habe. Tja. So ist das. Ging wirklich nicht. Beim besten Willen nicht. Q___Q Ich musste ausmachen. Um mir das Gesamtwerk des unaussprechlichen Grauens so in Erinnerung zu behalten, wie ichs eben in jener hatte.
Und nein, daran sind nicht meine schlechten Nerven schuld oder meine zartbesaitete Seele... sondern... wie drücke ich es nur aus... vielleicht kurz auf den Punkt: Ich konnte das Einschlafen kaum noch verhindern, denn - ganz ehrlich - dieser FILM... wäre in gedruckter Form vielleicht ein Pixiebuch verglichen mit dem Buch von Bret Easton Ellis!
Ich will den Film jetzt gar nicht runtermachen, bestimmt nicht. Ich bin sicher, wenn ich den gesehen hätte ohne das Buch zu kennen und nicht mit dem Bestreben daran gegangen wäre, beides zu vergleichen, dann hätt ich den sicherlich auch relativ... spektakulär gefunden. Er bringt den grundsätzlichen Inhalt, die zugrunde liegende Botschaft der Oberflächlichkeit der ganzen Yale/Wallstreet-Gesellschaft schon ansatzweise rüber, transportiert die Persönlichkeitsstörung von Bateman zT wirklich gut (was hier durchaus Christian Bale zuzuschreiben ist) und kann auch im Ansatz die inneren Zustände des Psychopathen touchieren, aber... das wars dann auch, was den namenlosen Schrecken angeht. Und eingehendere Charakterisierungen, denn außer Namen kriegt man von den auftauchenden Protas sowieso nur wenig mit und manchmal nichtmal das.
Ohne jetzt den Eindruck erwecken zu wollen, dass ich hier auf eine kranke Gore-Orgie gewartet habe, wo alles 1:1 aus dem Buch adaptiert wurde, muss ich dennoch zugeben, dass ich irgendwie enttäuscht bin. Wobei ich eigentlich dankbar sein sollte, denn ich bin mir durchaus einer gewissen... Phantasie bewusst, die mir innewohnt und das reicht im Grunde für namenlose Schrecken bestens aus, auch ohne das nochmal direkt vor Augen zu haben. Trotzdem kommt es mir so vor, als wäre gerade das... kranke Herzstück des Buches völlig außer Acht gelassen worden. Oder ich bin einfach schon zu abgestumpft, um das Grauen in angedeuteten Axtmörderszenen zu sehen. xD
Ich schätze, das wirkliche Grauen von American Psycho versteckt sich hinter den Worten des Buches. Zwischen den Zeilen. In den ruhigen, fast schon lethargischen Schilderungen von Batemann, was er seinen Opfern angetan hat. Etwas, was ja in einem Film auch gar nicht möglich ist, es sei denn wir reden von Snuff unter der Ladentheke. Ich schätze, der Film tut hier wirklich was er kann. Die Dialoge sind tatsächlich zT beinahe wortgetreu übernommen, jedoch hatte ich unweigerlich so kurz nach der Buchlektüre den Eindruck, dass jedes detailreiche Buchkapitel auf die wichtigsten Aussagen pro Szene in 3 Minuten gequetscht worden ist, wobei man die ganze... latente Bedrohung des zunehmenden Verlustes der geistigen Zurechnungsfähigkeit überhaupt gar nicht richtig fassen kann, kam mir vor wie eine schnelle Abfolge und Aneinanderreihung von Schlüsselszenen, die im Buch einfach viel mehr Tiefe haben. Wie eine kurze Inhaltsangabe, aber ohne näher in den Abgrund zu schauen. Und außerdem fehlt natürlich die Hälfte. Wobei ich wie gesagt durchaus darauf verzichten kann, genau jene Szenen verfilmt zu sehen.
Aber während einem schon im ersten Drittel des Buches langsam klar wird, dass Batemann ein sehr, sehr, sehr krankes Schwein ist, verhält er sich im Film nicht ansatzweise so verstörend und brutal wie man beim Lesen den Eindruck bekommt.
ViaE sagte "Echt heavy" zu diesem Film und das mag er auf eine Art und Weise auch sein, aber... ganz ehrlich... wem der Film wirklich zu heavy erscheint (und damit mein ich jetzt nicht dich, ViaE, sondern das ganz algemein), der sollte wirklich (!) die Finger von diesem Buch lassen, denn - und das ist jetzt sowohl Fazit aus meinem Vergleich und zugleich auch das, was mir irgendwie auch vorher schon klar war: Der Film ist nichts weiter als das; ein Film über Patrick Batemann. Das Buch ist ein Einblick in die Hölle von Patrick Batemann. Und definitiv in seiner Perversion und Kaltblütigkeit unverfilmbar.
Meine Meinung.
PS: Der Film gehört nicht wirklich in die FuBaSchleFi-Sparte, aber ich hab sonst keine passende Schublade, also.. rein damit. :P
Things2Say