Shipwrecked
Und so verlässt der Kapitän mal kurzfristig und rein metaphorisch das Schiff, was zwar nicht direkt sinkt, aber derzeit eine gefühlte Schräglage besitzt, die ihm Kopfzerbrechen und Übelkeit bereitet. Nun, eventuell verlässt er es nicht wirklich, sondern schlägt bloß die Tür zu seiner Kapitänskabine von innen zu, weil er temporär lieber mit einem Krug Grog redet als mit seiner Mannschaft.
Ein blödes Gefühl bleibt trotz allem, und das obwohl der Dienstag bereits vorbei ist.
Es ist ein blöder Tag gewesen, der gestrige. Und vielleicht hat mal wieder ein Klabautermann sein Unheil auf den Planken der Arche getrieben, der außer dem vernebelten Geiste des Kapitäns und dem Steuermann sonst niemandem aufgefallen ist - aber leider weiß der Kapitän, dass ein Gespräch mit der Besatzung nur wiederum ergeben würde, dass er zu viel Grog getrunken hat und ordentlich eins mit der Pfanne verdient hätte - ein Ergebnis, was ihm nicht gefällt und was ihn nur noch mehr zu verbittern scheint, da er sich nicht ernst genommen fühlt.
Sein Blick fällt fast schon zärtlich auf sein Schiff. Er hat in den letzten Tagen meist heimlich daran gebaut, hat gestrichen, neue Segel gehisst und es an vielen Stellen instand gesetzt. Natürlich ist er stolz darauf, er liebt seine Arbeit und das, was sie bedeutet. Als er seiner Mannschaft davon aber berichtet, zucken sie mit den Schultern und sehen wieder hinaus aufs Meer; und der Kapitän zieht sich wieder in seine Kajüte zurück und trinkt einen Grog, wohl wissend, dass er eigentlich gar keine Anerkennung für seine geleistete Arbeit erwarten dürfte, weil es sein Job ist. Und doch bohrt irgendetwas tief in ihm und er ist ein wenig getroffen, weil niemandem auffällt, dass seine Kajütentür schon eine längere Weile zu ist.
Seufzend sieht er auf und schaut aus den Bullaugen hinaus auf das Wasser. Es ist nicht stürmischer als sonst; und mit ein wenig Willenskraft kann er das vermeintlich schräge Schiff in seinem Kopf wieder ein wenig grade rücken. Möglicherweise sollte er einfach aufhören, Dinge von Menschen zu erwarten, speziell von seiner Besatzung. Er hasst es, einen Groll gegen die zu hegen, die so lange mit ihm gesegelt sind und auch so oft schon dafür gesorgt haben, dass ein Sturm überstanden wurde. Die Zeit und viele Missverständnisse in jener haben längst dafür gesorgt, dass er weiß, dass sie ihn oft auch einfach aus Rücksicht in Ruhe lassen, auch wenn er es nicht will - doch das kreidet er mittlerweile auch bereits sich selbst und seiner oftmals distanzierten Art an.
Er ist ein recht junger Kapitän und zeitweise sehr temperamentvoll. Er hat schon oft Dinge gesagt oder gebrüllt, obwohl er es eigentlich gar nicht wirklich wollte - hauptsächlich, weil er sich vielleicht angesichts eines Seesturms verdammt hilflos fühlte, was er allerdings kaum zugeben würde.
Seine Hände umfassen den Grog ein wenig stärker. Die Tasse ist heiß und dampft, und für einen Augenblick muss der Kapitän dem Impuls wiederstehen, sie an die Holzwand der Kajüte zu werfen, am besten direkt auf das Foto, was ihn mit seiner Crew zeigt.
Irgendetwas in ihm windet und krümmt sich unter einer Last und er atmet tief durch, behält die Tasse aber in den Händen. Er dreht den Kopf und starrt die geschlossene Kajütentür an. Es ist nicht notwendig, dass er aufsteht und sie öffnet; bis auf sein Steuermann (natürlich) und überraschenderweise der Schiffsarzt hat niemand bisher daran geklopft und nach dem Grund gefragt.
Sekunden vergehen, dann zerreißt ein scheppernder Laut die Stille, als die Tasse mit dem Grog an der Wand in kleine Scherben zersplittert, die danach klirrend zu Boden segeln. Sie hat das Foto nicht getroffen, natürlich nicht. Der Kapitän weiß, dass er es auch gar nicht vorhatte und nur sein Trotz ihn dazu bringen wollte, es zu glauben.
Sein Blick ist auf die Tischplatte vor sich gerichtet und er knirscht wütend mit den Zähnen. Wie konnte er es jemals so weit kommen lassen? Wie konnte es jemals dazu kommen, dass er dermaßen die Kontrolle über sich selbst verlor und sich hier einschloss wie ein Tier, anstatt hinaus zu gehen? Was sollte seine Mannschaft anderes von ihm denken, als dass er sich wie ein Kleinkind benahm, dem die Seeluft das Hirn vernebelt hatte??
Seine Hand fährt in die Tasche und er fühlt den Schlüssel zwischen seinen Fingern.
Seufzend steht er auf und geht zur Tür.
Ein blödes Gefühl bleibt trotz allem, und das obwohl der Dienstag bereits vorbei ist.
Es ist ein blöder Tag gewesen, der gestrige. Und vielleicht hat mal wieder ein Klabautermann sein Unheil auf den Planken der Arche getrieben, der außer dem vernebelten Geiste des Kapitäns und dem Steuermann sonst niemandem aufgefallen ist - aber leider weiß der Kapitän, dass ein Gespräch mit der Besatzung nur wiederum ergeben würde, dass er zu viel Grog getrunken hat und ordentlich eins mit der Pfanne verdient hätte - ein Ergebnis, was ihm nicht gefällt und was ihn nur noch mehr zu verbittern scheint, da er sich nicht ernst genommen fühlt.
Sein Blick fällt fast schon zärtlich auf sein Schiff. Er hat in den letzten Tagen meist heimlich daran gebaut, hat gestrichen, neue Segel gehisst und es an vielen Stellen instand gesetzt. Natürlich ist er stolz darauf, er liebt seine Arbeit und das, was sie bedeutet. Als er seiner Mannschaft davon aber berichtet, zucken sie mit den Schultern und sehen wieder hinaus aufs Meer; und der Kapitän zieht sich wieder in seine Kajüte zurück und trinkt einen Grog, wohl wissend, dass er eigentlich gar keine Anerkennung für seine geleistete Arbeit erwarten dürfte, weil es sein Job ist. Und doch bohrt irgendetwas tief in ihm und er ist ein wenig getroffen, weil niemandem auffällt, dass seine Kajütentür schon eine längere Weile zu ist.
Seufzend sieht er auf und schaut aus den Bullaugen hinaus auf das Wasser. Es ist nicht stürmischer als sonst; und mit ein wenig Willenskraft kann er das vermeintlich schräge Schiff in seinem Kopf wieder ein wenig grade rücken. Möglicherweise sollte er einfach aufhören, Dinge von Menschen zu erwarten, speziell von seiner Besatzung. Er hasst es, einen Groll gegen die zu hegen, die so lange mit ihm gesegelt sind und auch so oft schon dafür gesorgt haben, dass ein Sturm überstanden wurde. Die Zeit und viele Missverständnisse in jener haben längst dafür gesorgt, dass er weiß, dass sie ihn oft auch einfach aus Rücksicht in Ruhe lassen, auch wenn er es nicht will - doch das kreidet er mittlerweile auch bereits sich selbst und seiner oftmals distanzierten Art an.
Er ist ein recht junger Kapitän und zeitweise sehr temperamentvoll. Er hat schon oft Dinge gesagt oder gebrüllt, obwohl er es eigentlich gar nicht wirklich wollte - hauptsächlich, weil er sich vielleicht angesichts eines Seesturms verdammt hilflos fühlte, was er allerdings kaum zugeben würde.
Seine Hände umfassen den Grog ein wenig stärker. Die Tasse ist heiß und dampft, und für einen Augenblick muss der Kapitän dem Impuls wiederstehen, sie an die Holzwand der Kajüte zu werfen, am besten direkt auf das Foto, was ihn mit seiner Crew zeigt.
Irgendetwas in ihm windet und krümmt sich unter einer Last und er atmet tief durch, behält die Tasse aber in den Händen. Er dreht den Kopf und starrt die geschlossene Kajütentür an. Es ist nicht notwendig, dass er aufsteht und sie öffnet; bis auf sein Steuermann (natürlich) und überraschenderweise der Schiffsarzt hat niemand bisher daran geklopft und nach dem Grund gefragt.
Sekunden vergehen, dann zerreißt ein scheppernder Laut die Stille, als die Tasse mit dem Grog an der Wand in kleine Scherben zersplittert, die danach klirrend zu Boden segeln. Sie hat das Foto nicht getroffen, natürlich nicht. Der Kapitän weiß, dass er es auch gar nicht vorhatte und nur sein Trotz ihn dazu bringen wollte, es zu glauben.
Sein Blick ist auf die Tischplatte vor sich gerichtet und er knirscht wütend mit den Zähnen. Wie konnte er es jemals so weit kommen lassen? Wie konnte es jemals dazu kommen, dass er dermaßen die Kontrolle über sich selbst verlor und sich hier einschloss wie ein Tier, anstatt hinaus zu gehen? Was sollte seine Mannschaft anderes von ihm denken, als dass er sich wie ein Kleinkind benahm, dem die Seeluft das Hirn vernebelt hatte??
Seine Hand fährt in die Tasche und er fühlt den Schlüssel zwischen seinen Fingern.
Seufzend steht er auf und geht zur Tür.
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