Shipwrecked

Veröffentlicht auf von Mikael

Und so verlässt der Kapitän mal kurzfristig und rein metaphorisch das Schiff, was zwar nicht direkt sinkt, aber derzeit eine gefühlte Schräglage besitzt, die ihm Kopfzerbrechen und Übelkeit bereitet. Nun, eventuell verlässt er es nicht wirklich, sondern schlägt bloß die Tür zu seiner Kapitänskabine von innen zu, weil er temporär lieber mit einem Krug Grog redet als mit seiner Mannschaft.
Ein blödes Gefühl bleibt trotz allem, und das obwohl der Dienstag bereits vorbei ist.
Es ist ein blöder Tag gewesen, der gestrige. Und vielleicht hat mal wieder ein Klabautermann sein Unheil auf den Planken der Arche getrieben, der außer dem vernebelten Geiste des Kapitäns und dem Steuermann sonst niemandem aufgefallen ist - aber leider weiß der Kapitän, dass ein Gespräch mit der Besatzung nur wiederum ergeben würde, dass er zu viel Grog getrunken hat und ordentlich eins mit der Pfanne verdient hätte - ein Ergebnis, was ihm nicht gefällt und was ihn nur noch mehr zu verbittern scheint, da er sich nicht ernst genommen fühlt.

Sein Blick fällt fast schon zärtlich auf sein Schiff. Er hat in den letzten Tagen meist heimlich daran gebaut, hat gestrichen, neue Segel gehisst und es an vielen Stellen instand gesetzt. Natürlich ist er stolz darauf, er liebt seine Arbeit und das, was sie bedeutet. Als er seiner Mannschaft davon aber berichtet, zucken sie mit den Schultern und sehen wieder hinaus aufs Meer; und der Kapitän zieht sich wieder in seine Kajüte zurück und trinkt einen Grog, wohl wissend, dass er eigentlich gar keine Anerkennung für seine geleistete Arbeit erwarten dürfte, weil es sein Job ist. Und doch bohrt irgendetwas tief in ihm und er ist ein wenig getroffen, weil niemandem auffällt, dass seine Kajütentür schon eine längere Weile zu ist.

Seufzend sieht er auf und schaut aus den Bullaugen hinaus auf das Wasser. Es ist nicht stürmischer als sonst; und mit ein wenig Willenskraft kann er das vermeintlich schräge Schiff in seinem Kopf wieder ein wenig grade rücken. Möglicherweise sollte er einfach aufhören, Dinge von Menschen zu erwarten, speziell von seiner Besatzung. Er hasst es, einen Groll gegen die zu hegen, die so lange mit ihm gesegelt sind und auch so oft schon dafür gesorgt haben, dass ein Sturm überstanden wurde. Die Zeit und viele Missverständnisse in jener haben längst dafür gesorgt, dass er weiß, dass sie ihn oft auch einfach aus Rücksicht in Ruhe lassen, auch wenn er es nicht will - doch das kreidet er mittlerweile auch bereits sich selbst und seiner oftmals distanzierten Art an.
Er ist ein recht junger Kapitän und zeitweise sehr temperamentvoll. Er hat schon oft Dinge gesagt oder gebrüllt, obwohl er es eigentlich gar nicht wirklich wollte - hauptsächlich, weil er sich vielleicht angesichts eines Seesturms verdammt hilflos fühlte, was er allerdings kaum zugeben würde.
Seine Hände umfassen den Grog ein wenig stärker. Die Tasse ist heiß und dampft, und für einen Augenblick muss der Kapitän dem Impuls wiederstehen, sie an die Holzwand der Kajüte zu werfen, am besten direkt auf das Foto, was ihn mit seiner Crew zeigt.
Irgendetwas in ihm windet und krümmt sich unter einer Last und er atmet tief durch, behält die Tasse aber in den Händen. Er dreht den Kopf und starrt die geschlossene Kajütentür an. Es ist nicht notwendig, dass er aufsteht und sie öffnet; bis auf sein Steuermann (natürlich) und überraschenderweise der Schiffsarzt hat niemand bisher daran geklopft und nach dem Grund gefragt.

Sekunden vergehen, dann zerreißt ein scheppernder Laut die Stille, als die Tasse mit dem Grog an der Wand in kleine Scherben zersplittert, die danach klirrend zu Boden segeln. Sie hat das Foto nicht getroffen, natürlich nicht. Der Kapitän weiß, dass er es auch gar nicht vorhatte und nur sein Trotz ihn dazu bringen wollte, es zu glauben.
Sein Blick ist auf die Tischplatte vor sich gerichtet und er knirscht wütend mit den Zähnen. Wie konnte er es jemals so weit kommen lassen? Wie konnte es jemals dazu kommen, dass er dermaßen die Kontrolle über sich selbst verlor und sich hier einschloss wie ein Tier, anstatt hinaus zu gehen? Was sollte seine Mannschaft anderes von ihm denken, als dass er sich wie ein Kleinkind benahm, dem die Seeluft das Hirn vernebelt hatte??

Seine Hand fährt in die Tasche und er fühlt den Schlüssel zwischen seinen Fingern.
Seufzend steht er auf und geht zur Tür.

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S
hab leider keine ahnung, auf welche situation dieser text bezogen ist...nur eins weiss ich schon genau...wie sich der mann fühlt. ;-)<br /> mh...was tun...? wohl wieder rausgehen, wie er es sowieso vorhat. aufsteh-männchen. dem steuermann des öfteren wieder mal das steuer wegnehmen und selbst steuern...kann er es noch? aber ja.... mit der mannschaft rum saufen und den mond betrachten. nicht...mh...einsam in der kajüte verschanzt sitzen und pläne für reisen schmieden, von denen er niemandem etwas erzählt, nur seinem tagebuch...irgendwann ist dann nämlich der punkt erreicht, wo er niemandem mehr irgendetwas erzählt, doch das hat er früher gern getan...oder? er fühlt sich ausgeschlossen, als captain des schiffes, und er markiert oft das arschloch, das er nie war, nie sein wird, nur damit die stürme überstanden werden. dass sie ihn dann irgendwann tatsächlich für ein arschloch halten und völlig vergessen, wie er wirklich ist, kann passieren, wenn er zulässt, dass sie ihn vergessen. und warum er der captain ist. aber irgendwie glaube ich, dass sie es nie ganz vergessen werden, denn nach meuterei sieht es nicht aus. nur nach einer langen flaute, die schrecklich sein kann, aber doch dazugehört.
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M
<br /> :-*<br /> <br /> Danke.<br /> <br /> <br />
B
Was hab ich denn da geschrieben? Das SCHIFF und den Chef. ^^<br /> Na ja, du weisst ja,was gemeint war.
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D
Ho ho ho, Käpt'n!<br /> <br /> Na, nu ma nich zu schnell die Flinte ins Korn werfen wegen so'n paar Sssturmfluten. ;)<br /> <br /> Lehn' Se sich ma zurück, leg'n Se das Holzbein hoch, Captaine, und ich halt derweil die Ssssstellung an Sssteuerbord. ;)<br /> <br /> Und wenn wer muckt, schick ich'n zum Planken-Schrubben! Jawoll, min Cpt.!<br /> <br /> ;)
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B
Hast du schön geschrieben... <br /> Ich mag das Chef. <br /> <br /> Und den Käpt'n. :)<br /> <br /> Immer mikaförmig bleiben!
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M
<br /> Du bist süß, danke :-*<br /> <br /> <br />
D
Hey,Käptn-Selbsterkenntnis ist der erste Schritt,um nicht kielgeholt (heisst das so?) zu werden.Wird schon!<br /> Ich muss das wissen,ich leb am Meer und war ausserdem selbst 17 Jahre Kapitän (und Eigner) eines mittelgrossen Schiffes,das sich letztendlich aber der grosse Sturm geholt hat.
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M
<br /> Wahre Worte. ;)<br /> <br /> Du bist echtn Allrounder, wa? *g* Respekt. ^^<br /> <br /> <br />